| Aktualisiert am 9 Juni 2009 |
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Europa in der Wirtschaftskrise - was nun?
Während die Arbeitslosigkeit steigt und es mit dem ersten Rettungspaket Probleme gibt, diskutieren die Europaabgeordneten den mehrfach modifizierten wirtschaftlichen Wiederbelebungsplan.
Dauer: 3 minuten
Antonella Murator, 45, Optikerin aus Brüssel, ist arbeitslos. Ihr Beispiel zeigt, wie ernst die Wirtschaftskrise wirklich ist. Sie hat einen Universitätsabschluss und ist hochqualifiziert, ihr Arbeitsplatz in einer Kontaktlinsenfirma war nie gefährdet. Jetzt ist das Unternehmen bankrott und Antonella arbeitslos. 22 Jahre lang hat sie loyal und erfolgreich für die Firma gearbeitet.
Alle waren überrascht, als die Banken bedroht waren,
wie Wege gefunden wurden, um ihnen zu helfen. Kann man nicht dasselbe für Menschen tun?
Antonella sucht aktiv nach einem neuen Job und belegt Kurse zur Weiterbildung. Trotzdem hat sie das Gefühl, dass ihre Aussichten schlecht sind.
Ich versuche mich zu motivieren, lerne Niederländisch und besuche IT-Kurse. Aber dort sind wir 15 Leute, das Durchschnittsalter liegt bei 25-30 Jahren, das finde ich ein wenig frustrierend. Wenn der Arbeitgeber jemanden zwischen 25 und 30 einstellen kann, dann wird er nicht mich nehmen.
Die Arbeitslosigkeit ist in den letzten Monaten beträchtlich gestiegen, auf über 8%, das bedeutet 18 Millionen Arbeitslose. Analysten schätzen, dass es bald 24 Millionen sein könnten. Was kann auf europäischer Ebene dagegen getan werden? Im Dezember hat man sich auf ein erstes Rettungspaket geeinigt. Aber nun können sich die Mitgliedstaaten nicht über die Details einigen. Am Wiederbelebungsplan wurden substantielle Änderungen vorgenommen, und nach schwierigen Verhandlungen wurde er vom EP verabschiedet.
Während der Plenardebatte am Mittwoch war dies noch immer Thema.
Wenn man einer Meinung ist mit Jean Claude Juncker, der gestern sagte "Wir haben genug getan", dann sage ich "Sie haben nicht genug getan". Die Menschen erwarten mehr von Europa.
Vor allem die Sozialdemokraten forderten niedrigere Zinssätze, ähnlich der Geldpolitik der USA. Es ist vor allem die zu lockere Geldpolitik, die der amerikanischen Wirtschaft zum Verhängnis wurde.
Am Ende wurde eine eindrucksvolle Mehrheit erreicht. Die Version des Parlaments beinhaltet neue Initiativen wie die Belebung der öffentlichen Investitionen durch die Emission von Euroanleihen. Zudem wird die EIB sich die Steueroasen vornehmen. Die Berichterstatterin ist davon überzeugt, dass das EP seinen Teil getan hat und wenn nötig noch mehr tun wird.
Es war schwierig am Ende, aber das macht den Erfolg noch schöner. Aus meiner Sicht war das ein großer Erfolg. Es ist wichtig, dass wir eine sehr starke Botschaft senden in diesen Krisenzeiten, sowohl an die Kommission als auch an den Rat, und ihnen klarzumachen, dass die Bürger von der EU mehr als nur Worte erwarten. Dies ist ein kritischer Moment. Entweder stärken wir die Solidarität und festigen das europäische Projekt mit Hilfe von Solidarität, oder wir bringen das ganze Projekt in Gefahr.
Es ist nun an den Staats- und Regierungschefs,
beim nächsten EU-Gipfel die nötigen Entscheidungen zu treffen.
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